„Volkskultur ist mehr eine Haltung als ein Repertoire. Sie bietet einen unkomplizierten Zugang.“ (Pius Knüsel, Pro Helvetia) 


ivk – Institut für Volkskultur und Kulturentwicklung

Conradstraße 6
A-6020 Innsbruck
Österreich

Tel.: +43 664 23 66 127
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Das Institut für Volkskultur und Kulturentwicklung beschäftigt sich mit traditionellen Kulturen der Mehr- und Minderheiten im Alpenraum, mit Alltagskultur und „alternativer“ Kultur und ihren lokalen Entwicklungen, schafft Kulturkontakte, fördert und vermittelt diese in Veranstaltungen, erkennt Kulturentwicklungen und analysiert diese in Tagungen, Forschungen und Publikationen.

 

Trauer um Prof. Dr. Josef Sulz (1930–2016)

Herr emer. Univ.-Prof. Dr. Josef Sulz hat nach langem, schwerem, jedoch mit beispielhafter Geduld und Haltung ertragenem Leiden am 13. Juli 2016 in den Mittagsstunden seine Augen für immer geschlossen. Mit Josef Sulz verlieren wir nicht nur einen großen Förderer und ein langjähriges Mitglied des ivk, sondern vor allem einen Pionier der Musikerziehung in Tirol, einen bedeutenden, international anerkannten Pädagogen, Wissenschaftler und visionären Kämpfer für die musikalische Kultur. Josef Sulz ist es gelungen, die Musikpädagogik in Westösterreich zu etablieren. Generationen von MusiklehrerInnen wurden von ihm ausgebildet. Die Gründung der Innsbrucker Dependance der Musikuniversität Mozarteum Salzburg im Jahr 1981 geht maßgeblich auf seine Initiative zurück. Durch sein Engagement in führenden europäischen musikpädagogischen Gremien an vorderster Stelle trug er zur internationalen Anerkennung der Musikpädagogik bei. Josef Sulz ist auch der Gründer des "Alpenländischen Volksmusikwettbewerbes" (1974) in Innsbruck. Mit der Gründung des "Instituts für Musikalische Volkskunde" (heute "Fachbereich Musikalische Ethnologie") am Mozarteum (1987) schuf er zudem die einzige universitäre Forschungseinrichtung Westösterreichs für traditionelle Musik im Alpenraum.
 
Abgesehen von seinen Qualitäten als Pädagoge und Wissenschaftler war Josef Sulz auch in menschlicher Hinsicht vorbildlich. Er war liebenswürdig, ausgleichend, originell und geistreich. Seine Gesinnung war von einem idealistischen, edlen Ethos getragen. Toleranz und Menschlichkeit waren jene Werte, nach denen er sein Handeln ausrichtete. Josef Sulz liebte es, Menschen zu fördern. Wer mit ihm familiär verbunden war – wie seine Frau Lizzi, die ihm im Jänner 2015 vorangegangen war – oder freundschaftlich, durfte stets auf seine Loyalität bauen. Sie galt auch seinen ehemaligen MitarbeiterInnen, die er noch nach seiner Emeritierung (2000) mit Herz und Einsatzfreude unterstützte. Ebenso wichtig wie Toleranz und Menschlichkeit war ihm die Religion. Als Kirchenmusiker leitete er jahrzehntelang den Kirchenchor von Natters und es freute ihn besonders, dass seine sakralen Kompositionen große Anerkennung fanden.

 

Wer seine Stimme hören und seine Gedanken noch einmal erfahren möchte, möge den von Volker Selgrad zu seinem 80. Lebensjahr erstellten biographischen Film "Josef Sulz – sein Leben", veröffentlicht auf YouTube unter diesem Link, sehen.

 

Vita

Josef Sulz wurde am 11. Mai 1930 in Patzmannsdorf, Niederösterreich, in einer bäuerlichen Familie geboren. Nach der Matura am Gymnasium in Hollabrunn studierte er in der schwierigen Nachkriegszeit Musikerziehung an der Musikakademie Wien und Geschichte an der Universität Wien sowie später Musikwissenschaft an der Universität Innsbruck (Dr. phil., Diss. Die „klassische" Crescendo-Anlage in der Orchestermusik). Ab 1956 wirkte er als Gymnasiallehrer in Feldkirch und von 1957–1971 in Innsbruck. Von 1971–1980 war Josef Sulz Fachinspektor für Musikerziehung für die Bundesländer Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Damals lebte er mit seiner Familie bereits in Natters bei Innsbruck. Neben dem Schul- und Inspektionsdienst betrieb er den Aufbau einer Abteilung für Schulmusik am Innsbrucker Konservatorium, die 1981 von der Salzburger Musikhochschule Mozarteum als dislozierte Abteilung übernommen wurde. Josef Sulz ist somit der Initiator des Mozarteums in Innsbruck.
 
Im Jahr 1979 wurde er als Professor für Musikpädagogik an die Musikhochschule München berufen. Schon drei Jahre später, 1982, erfolgte seine Berufung als ordentlicher Professor an die Musikhochschule Mozarteum Salzburg, Abteilung für Musikerziehung in Innsbruck. Diese Abteilung baute er neu auf und leitete sie bis 1988. Ein Jahr zuvor hatte er in Innsbruck das Institut für Musikalische Volkskunde (heute: Fachbereich Musikalische Ethnologie am Department für Musikwissenschaft der Universität Mozarteum Salzburg) gegründet.
 
Josef Sulz wirkte auch maßgeblich in internationalen Gremien mit. So war er 1978 Mitbegründer der Internationalen Gesellschaft für musikalische Fortbildung (IGMF) und deren Vorsitzender von 1979–1987. Im Jahr 1982 gründete er mit anderen die Internationale Arbeitsgemeinschaft Musikpädagogik für die südlichen Länder Europas (kurz: ArGe Süd). Von 1976–1988 war Josef Sulz zudem Vorstandsmitglied der International Society for Music Education (ISME), von 1980–1984 auch ihr Vizepräsident. Für diese bedeutendste internationale musikpädagogische Vereinigung organisierte er im Sommer 1986 den 17. Weltkongress in Innsbruck. Josef Sulz war auch Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der MusikerzieherInnen Österreichs (AGMÖ) und schuf die Planungsgrundlagen für mehrere AGMÖ-Kongresse zwischen 1985 und 2001. - Da ihm die alpenländische Volksmusik ein Herzensanliegen war, gründete er 1974 den bis heute biennal stattfindenden Alpenländischen Volksmusikwettbewerb in Innsbruck. - Josef Sulz erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem das Verdienstkreuz des Landes Tirol.
 
Josef Sulz emeritierte im Jahr 2000. Sein wissenschaftliches Oeuvre umfasst neun Bücher und ca. 90 Aufsätze, auch war er Herausgeber von Schriftenreihen zur Musikpädagogik und Volksmusikforschung. Zu seinem 65., 70. und 80. Geburtstag erschienen wissenschaftliche Festschriften. - Daneben schrieb Josef Sulz eine Reihe von kirchenmusikalischen Kompositionen.
 
In der zweiten Jahreshälfte 2010 erlitt Josef Sulz schwere gesundheitliche Schläge, von denen er sich nicht mehr erholte. Sein letzter öffentlicher Auftritt erfolgte zu seinen Ehren im Spätherbst 2011, als die Festschrift zu seinem 80. Geburtstag in Innsbruck präsentiert wurde. Zu Jahresbeginn 2015 verstarb seine Frau Lizzi, die mit ihm 2012 in ein Innsbrucker Pflegeheim übersiedelt war.
 
Wir trauern um diesen großen Mann und ehren sein Andenken! Unser Mitgefühl gilt seinen Familienangehörigen, Freunden, Bekannten und all jenen, denen es vergönnt war, Zeit mit ihm zu verbringen.

Hier finden Sie die Trauerparte. Die Verabschiedung fand in kleinem Kreise bereits am 16. Juli in Natters statt. Beileidskundgebungen richten Sie bitte an seine drei Töchter & Angehörige, vertreten durch Frau Eva Schwarz, Hochholz 19, A-4813 Altmünster.